Stand: 25.11.2013

Erdkabel für Höchstspannung – wo ist das Problem? - Hintergrundwissen für den Widerstand gegen Freileitungen -

Eine Erdverkabelung der Höchstspannungsleitungen wird von vielen Bürgerinitiativen gefordert. Sie wird von den Netzbetreibern abgelehnt, sie sei zu teuer und technisch nicht ausgereift.
Beides ist inzwischen überholt. Die technische Entwicklung ist so weit fortgeschritten, dass Erdkabel auch mit einer Spannung über 300 000 Volt, wie sie für Langstrecken erforderlich ist, eine sichere und ökonomisch vertretbare Alternative zur Freileitung darstellen. Dies gilt dann, wenn der Strom als Gleichstrom geleitet wird und wenn beim Trassenverlauf die Transportmöglichkeiten großer Kabelrollen berücksichtigt werden. Beides ist möglich, wenn es um die Verbindung von Strom-Überschussgebieten im Norden mit den Lastzentren im Süden geht, wo Atomkraftwerke wegfallen werden. Eine solche Lösung bietet viele Vorteile. Sie ist 
gesellschaftlich und ökologisch sinnvoll und die Stromversorgung ist vor Schäden durch Extremwetterlagen geschützt. Die Widerstände der Energieversorger, der Zulassungsbehörden und der Politiker dagegen sind weder technisch noch ökonomisch begründet. Sie haben andere Gründe.

 Vorbemerkung
1. Das Kabel
2. Die Verlegung 
3. Der Transport
4. Verbindung der Kabelstücke
5. Bauwerke
6, Überwindung von Hindernissen
7. Betriebssicherheit
8. Kosten
9. Schlussfolgerung
10. Ablehnungsgründe
Ausblick

Vorbemerkung
Zur Netzdefinition: Das so genannte Höchstspannungsübertragungsnetz, um das es hier geht, leitet in Deutschland den Strom mit einer Spannung von 220 oder 380 kV. Hoch- Mittel- und Niederspannungsnetze dienen der Verteilung (Hochspannung = 60 – 150 kV, Mittelspannung = 1- 30 kV, Niederspannung  = 230 und 400 V). Beim Neubau von Verteilnetzen ist Erdverlegung inzwischen auf allen Ebenen üblich und gesetzlich vorgeschrieben.
Zur Frage Gleichstrom oder Wechselstrom:Der von der Regierung beschlossene Netzentwicklungsplan für das Übertragungsnetz sieht flächendeckend Drehstromleitungen (3 Phasen Wechselstrom) vor. Nur 3 Gleichstromleitungen sind für ein so genanntes Overlay Netz vorgesehen. Die Übertragung mit Gleichstrom ist grundsätzlich verlustärmer. Die Gründe für die Bevorzugung von Drehstrom sind a) das leichtere Aus- und Anschalten der Verbindungen und b) ein hoher Aufwand, der mit der Anbindung von Gleichstromleitungen an das vorhandene Drehstromnetz verbunden ist. Nur bei langen Interkontinentalverbindungen von mehreren hundert Kilometern  wie durch das Meer rentierten sich bis vor einigen Jahren entsprechende Umspannwerke. Die inzwischen entwickelten elektrotechnischen Neuerungen ermöglichen jedoch preiswertere Bauwerke, so dass sich Gleichstrom auch bei kürzeren Verbindungen lohnt. Für das Schalterproblem wurden neue Techniken entwickelt. Es gibt inzwischen von Siemens oder ABB Gleichstromschalter mit der „Multilevel-Technik“. Sie wurden bereits erprobt und sind laut VDI marktreif.
Zur Frage Freileitung oder Erdkabel:  Im Netzentwicklungsplan sollen alle Höchstspannungsleitungen als Freileitungen mit 40 – 70 m hohen Masten gebaut werden; lediglich in drei Pilotprojekten ist für einen kurzen Teil der jeweiligen Strecke eine Erdverlegung des Drehstromkabels vorgesehen. Die Erdverlegung von Drehstromkabeln ist aufwändig und teuer wegen der hohen elektromagnetischen Strahlung und der Erwärmung, die auch die Haltbarkeit der Isolierung beeinträchtigt. Die notwendige Wärmeabfuhr erfordert breite Abstände zwischen den einzelnen Strängen einer Leitung und ein gut Wärmeleitendes Material um die Stränge herum. Alle 30 km muss der Leitungsverlust kompensiert werden, die notwendige Wärmeabfuhr erfordert breite Abstände zwischen den einzelnen Kabeln und spezielle Bettungsmaterialien und die hohen magnetischen Wechselfelder sind nur schwer abzuschirmen.
Gleichstromerdkabel bereiten dagegen deutlich weniger Probleme. Es gibt keine elektromagnetischen Wechselfelder und die Erwärmung ist erheblich geringer. Ferner sind Fortschritte in der Verarbeitungstechnik für Kunststoffe erzielt worden, die die prognostizierte Lebensdauer der Kabel erhöhen. Die Verlegung in einem so genannten Flüssigboden, die inzwischen in vielen Bereichen Anwendung findet, bietet die Möglichkeit eines minimal invasiven Eingriffs, was zu erheblicher Kostenreduktion führt. Zusammen mit den elektrotechnischen Innovationen werden damit neue Perspektiven für das Übertragungsnetz eröffnet. In der Erde verlegte Gleichstromkabel stellen eine sichere, gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch sinnvolle Alternative dar. Der bestehende Netzplan müsste daher an die neuen Möglichkeiten angepasst werden. Es geht darum, Innovationen umzusetzen, statt an veralteten Plänen festzuhalten.

Ein überzeugendes Konzept für die Verlegung von Erdkabeln für das Übertragungsnetz wurde von der FirmaInfranetz AG in Niedersachsen (www.infranetz.de) entwickelt, dieses Verfahren wird hier beispielhaft vorgestellt.   Das Infranetz- System ist modular aufgebaut, dabei sind die einzelnen Kabelabschnitte Reinraumgefertigt. Der besondere Aufwand der Verknüpfung der Teile in sog. Muffenbauwerken kann entfallen. Das System stellt keine neue Erfindung dar, sondern es bündelt eine Reihe von inzwischen erprobten, ausgereiften und sofort umsetzbaren Techniken. Bei einem innovativen Konzept erheben sich folgende Fragen:

  • Sind die Probleme einer Erdverkabelung mit diesem System lösbar?
  • Ist das System sicher?
  •  Was kostet es?

Diese Fragen sollen möglichst verständlich beantwortet werden.

Abschließend wird versucht, die vermuteten Gründe für die Ablehnung der Erdverkabelung durch die Energieversorgungsunternehmen (EVUs) und ihre Argumente darzustellen.

1. Das Kabel
Zum Aufbau:Die Anforderungen an Erdkabel sind: -Geringer elektrischer Widerstand des Leiterkerns - lange Lebensdauer –Zugfestigkeit -Längswasserdichtigkeit - Elastizität – und bei der Isolierschicht -Wärmeunempfindlichkeit - hoher elektrischer Widerstand -Luftblasen- Staub- und Lunkerfreiheit - saubere Verbindungen und Endverschlüsse.

Zum Aufbau des Landkabels siehe Schemazeichnung.

Zur Erwärmung:Was bei Seekabeln durch die Wasserkühlung kein Problem ist, kann sich bei Verlegung in der Erde negativ auswirken, und zwar sowohl auf die Ummantelung des Kabels - und damit die Lebensdauer - als auch auf den Boden. Bei Drehstromkabeln ist daher ein großer Abstand zwischen den einzelnen Kabeln erforderlich, und im Boden oberhalb der Kabel ist mit einer Erwärmung und Austrocknung zu rechnen. Bei Gleichstromkabeln ist die Erwärmung deutlich geringer. Die Manteltemperatur beträgt lediglich 70°C (bei Drehstrom 90°C).
Zur Auffindung von Defekten:Schäden bei Freileitungen lassen sich optisch leicht erkennen und meist relativ kurzfristig reparieren. Bei Erdkabeln muss ein anderes Verfahren angewendet werden. Im Gegensatz zur Freileitung kann im Erdkabel ein Lichtwellenleiter in der Hülle mitgeführt werden. Fehler – auch zu hohe Erwärmung – lassen sich damit von Koppelstationen aus bis auf wenige Zentimeter genau lokalisieren.
Für Reparaturen: Sollte ein Defekt auftreten, muss schlimmstenfalls das ganze defekte Kabelstück ausgegraben werden. Das ist bei der angewendeten Technik der Verlegung in „Flüssigboden“ (siehe unten) kein Problem. Das Kabelstück mit der defekten Stelle wird dann von einer Koppelstation zur nächsten komplett ersetzt. Das geschieht am Boden und nicht, wie bei Freileitungen, in einer Höhe von bis zu 70 Metern! Ersatzkabel, Transportschiffe und 
Vorrichtungen für den Transport an Land müssen vorgehalten werden. Auch bei Freileitungen sind Ersatzteile – unter Umständen für ganze Masten – notwendig und einsatzbereit zu halten.

2. Die Verlegung
 Hier liegt ein ganz entscheidender Clou. Drehstrom Erdkabel werden im Netzentwicklungsplan als einzige Alternative zu Freileitungen genannt. Sie umfassen in den drei Pilotprojekten jeweils 4 Stränge. Diese müssen wegen ihrer starken Erwärmung und der hohen elektromagnetischen Wechselfelder in bis zu 20 m breiten Trassen in der Erde verlegt und in eine dicke Schicht gut Wärmeleitenden Materials eingebettet werden, oder in begehbaren Betonröhren luftgekühlt werden. Während der Bauzeit muss eine Wasserrückhaltung erfolgen. Große Wassermengen müssen abgepumpt und in einen Vorfluter geleitet werden. Dieser Trassenbau beansprucht große Flächen und stellt einen erheblichen Eingriff in die Natur dar. Ganz anders sieht die Verlegung von Gleichstromkabeln beim Infranetz-System aus, wie im Bild
Verlegung in Flüssigboden dargestellt. Für jeden Strang wird ein Graben von ca. 0,50 m Breite und 1,50 m Tiefe ausgefräst, so wie es für Drainagerohre erfolgt. Der Bodenaushub wird steinfrei gesiebt und nach einer Bodenanalyse  mit Bentoniten und geringen weiteren Zuschlägen gemischt und verflüssigt. Das Material wird in flüssiger Form in den Kabelgraben gefüllt und härtet nach 4 Stunden trittfest aus. Es wird jedoch nicht so hart wie Magerbeton, sondern bleibt elastisch wie Ton. Es bildet keine Wärmedämmende Ringspalte um den Kabelmantel, erzeugt dadurch keine Drainagewirkung und trocknet durch kristallin gebundenes Wasser nicht vollständig aus. Das Verfahren „Flüssigboden“ ist seit 2000 anerkannter Stand der Technik und wird inzwischen vielfach – auch im Ausland – verwendet, und zwar für die Verlegung von Wasser-, Abwasser – und Fernwärmeleitungen, zur Deponieabdichtung und auch schon für Hochspannungserdkabel (z.B. Fa. Siemens in Kelsterbach, Rhein-Main Flughafen). Die Trassenbreite für ein 3 Gigawattsystem reduziert sich dabei auf 3,50 m. Das Verfahren bietet gegenüber Drehstromerdkabeln folgende Vorteile: Während der Bauphase ein viel geringerer Arbeitsaufwand, keine Wasserhaltung, erheblich verringerter Erdabraum, es wird kein Beton benötigt sondern ein reichlich vorhandenes Naturprodukt, das Arbeitsrisiko ist vermindert (kein „Mann im Graben“). Allgemein: verringerter Flächenbedarf, Nutzung vorhandener Wirtschafts- und Waldwege ist möglich, 
ackerbauliche Nutzung ist möglich, da keine Erwärmung und Austrocknung zu befürchten ist, geringe Ausgleichszahlungen an die betroffenen Gemeinden, hohe Akzeptanz in der Bevölkerung im Vergleich zur Drehstromtrasse oder Freileitung.

3. Der Transport
Freileitungen sind durch ihren Abstand zum Boden und durch Isolatoren zwischen Kabel und Mast vor Entladung/Kurzschluss geschützt und daher im Vergleich dünn. Seekabel und Erdkabel müssen durch eine Isolierschicht geschützt werden und haben daher einen erheblich größeren Durchmesser. Das von der Infranetz AG vorgesehene Kabel ist 13,8 cm dick und hat ein Gewicht von 20 kg pro Meter. Außerdem haben so dicke Kabel einen größeren minimalen Biegeradius. Er beträgt bei dem zur Erdverlegung vorgeschlagenen Kabel 3,45 m. Das bedeutet, dass die für Freileitungen üblichen Kabeltrommeln nicht verwendet werden können. Die speziellen Kabeltrommeln mit einem Durchmesser von 9 m und 3,50 m Breite sind schwer zu transportieren und würden nicht unter Brücken hindurch passen.

Einen Ausweg bietet der Transport auf Schiffspontons, siehe Bild .  Deutschland verfügt über ein gut ausgebautes Kanalsystem, über das die Industriezentren aller großen Städte mit Kohle, Erzen und anderen Rohstoffen von den Nord- und Ostseehäfen aus versorgt werden können. Von den Kanälen aus können die Kabel über ein Rollensystem kilometerweit ins Landesinnere transportiert  und von dort aus verlegt werden. Sinnvoll ist dabei die Verbindung der Kabel von Norddeutschland aus zu den Netzknoten in der Nähe der stillgelegten oder noch stillzulegenden Atomkraftwerke oder Kohlekraftwerke in Süddeutschland.

4. Die Verbindung der Kabelstücke
Bei Seekabeln erfolgt die Fertigung auf Schiffen, von denen aus die Kabel Stück für Stück als „Endloskabel“ ins Meer gleiten. An Land müssen die Infranetzmodule zum Ort der Verlegung transportiert werden. Bei Drehstrom Erdkabeln werden Teilstücke, die gerade noch transportfähig sind, mittels Schwerlasttransportern zum Trassenabschnitt gefahren oder über Rollensysteme transportiert und  in 10 x 20 Meter großen so genannten Muffenbauwerken verbunden. Die Verbindung der Kabel in den Muffen ist ein kritischer Schritt und erfordert extreme Sorgfalt. Der feinste Haarriss kann zum Ausfall führen, wenn Feuchtigkeit eindringt. Die Muffen sind die störanfälligsten Bereiche der bisher verlegten Erdkabel. Um Fehler zu finden, muss eine aufwändige Resonanzprüfung vor Ort stattfinden. Die erforderliche Messtechnik mit einem Gewicht von 150 t wird auf 5 Tiefladern angefahren. Auch sind die vielen Muffenbauwerke zusammen mit den für Transport und Wartung notwendigen Straßen ein Störfaktor in der Landschaft. Bei dem von der Infranetz AG vorgeschlagenen System kann auf die störanfälligen Muffenverbindungen verzichtet werden. Die Enden der mit bis zu 3000 m wesentlich längeren Kabelstücke werden unter Reinraumbedingungen in der Kabelfabrik konfektioniert, d.h. mit Endverschlüssen versehen und vorgeprüft. Vor Ort werden sie in Koppelstationen verbunden.

5. Bauwerke
Die Koppelstationen sind 7 x 10 m große belüftete und mit Messtechnik ausgestattete Bauwerke. Es wird zunächst nur eine Fundamentplatte am Ende des ersten und Anfang des zweiten Kabelstrangs verlegt und danach die Hülle als Fertigteil darüber gesetzt. Dadurch entfällt auch der sonst übliche Kabelverschnitt von 6 m pro Muffe.

Bei den Anschlussstellen an das Drehstromnetz ist pro Gigawatt Leistung mit einem Bauwerk von 5.000 m² zu rechnen (5 m² pro MW) also vergleichbar mit einer Fläche für einen Stall einer modernen Schweinemastanlage (allerdings ohne olfaktorische Nachteile).

6. Überwindung von Hindernissen
Straßen, kleinere Flüsse, Kanäle und Gas- oder Stromleitungen können im Rohrvortriebsverfahren untertunnelt werden. Auch die Überquerung von Hindernissen ist möglich, siehe Bild.

7. Betriebssicherheit
Die Kabelherstellung
für Gleichstromkabel ist standardisiert und weltweit erprobt. Bis 2013 wurden schon 2.384 See- und Erdkabel verlegt. Im vorgeschlagenen System erfolgt eine Prüfung auf mögliche Fehlerstellen bereits in der Kabelfabrik. Die Herstellung kann dann unter Reinraumbedingungen erfolgen, ebenso der Ansatz der Kabelendverschlüsse und Transportkappen.

Für den Transport ist die notwendige Technik vorhanden, um Beschädigungen des Kabels auszuschließen. Für die Verlegung gilt das Gleiche.
Flüssigboden ist eine inzwischen seit 15 Jahren bewährte Technik für zahlreiche Einsatzgebiete. Die Infranetz AG ist für die Technik zertifiziert.
Hochspannungsgleichstromschalter: Das sog. Multilevel System wurde bereits eingesetzt bei einem 85 km Seekabel durch die San Franzisko Bay von San Franzisko nach Pittsburg. Die Funktionssicherheit wurde vom VDI bestätigt. Diese Technik vereinfacht die Anbindung der Gleichstromkabel an das Drehstromnetz.
Versorgungssicherheit:Hochspannungsgleichstromsysteme können sogar selbst einen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten, denn sie stabilisieren mit ihren schnellen Umrichtern an den Anschlussstellen zum Drehstromnetz die Netzspannung und die Wechselstromfrequenz. Sie stellen auch die erforderliche so genannte Blindleistung bereit. Auf Grund der Eigenkapazität des Leitungsnetzes ist Energie erforderlich, um das elektromagnetische Feld bis zu Endverbraucher aufzubauen bzw. aufrecht zu erhalten. Durch diese Blindleistung werden die Netze entlastet und können mehr Strom leiten. Bei hohem Stromangebot müssen dann z.B. weniger Windkraftanlagen abgeschaltet werden. Dazu kommt ein weiterer Vorteil: im Gegensatz zu Freileitungen kann bei Ausfall eines Stranges an diesem gearbeitet werden, ohne dass der zweite und dritte Strang abgeschaltet werden muss. Bei Freileitungen muss während der Arbeitszeit aus Sicherheitsgründen die gesamte Stromverbindung, einschließlich möglicherweise mitgeführter Mittelspannungsleitungen abgeschaltet werden. Das ist bei Erdkabeln nicht nötig. Außerdem entfällt bei Erdkabeln jede witterungsbedingte Gefährdung. Mögliche
Defekte im Kabel können durch die mitgeführten Lichtwellenleiter per Fernabfrage innerhalb von Millisekunden exakt geortet werden. Von den Koppelstationen aus ist eine Zwangskühlung bis zur Behebung des Fehlers möglich.

8. Kosten
Die Kosten wurden von der Infranetz AG als modulares System für jede einzelne Position detailliert ermittelt. Natürlich ist ein Vergleich zu einer Freileitung nur möglich, wenn die Länge der zu verlegenden Strecke mit all ihren Hindernissen wie Straßen, Gewässern,  Siedlungsbereichen u.a. feststeht. Für Seekabel sind die Preise inzwischen deutlich gefallen. Beim Landkabel deutet sich eine ähnliche Entwicklung an, sobald die Nachfrage steigt. Auch die Preise für Hochspannungsgleichstromschalter werden mit zunehmender Seriengröße sinken. Finanziell ins Gewicht fallen insbesondere die Anschlussbauwerke zum Drehstromnetz. Einen im Vergleich zu Freileitungen geringeren zeitlichen und finanziellen Aufwand erfordern die Planungs- und Genehmigungsverfahren. Widerspruch durch die Bürger ist kaum zu erwarten: es besteht keine Gesundheitsgefährdung und die Eingriffe in Natur und Landschaft sind sowohl im Bau als auch im Betrieb unbedeutend: durch minimalen Eingriff in die Wasserführung während der Verlegung, keine Gefährdung von Vögeln und Fledermäusen,  eine nur geringe landschaftliche Beeinträchtigung  durch die Koppelstationen alle 2 – 3 km, Lediglich die wenigen Umrichter an den Anschlussstellen zum Drehstromnetz fallen ins Gewicht. Wesentlich ist die kürzere Genehmigungsdauer. In einer Studie für die Bundesnetzagentur wurde gezeigt, dass Verzögerungen durch Einsprüche der Bürger und Klagen von Verbänden gegen Höchstspannungsfreileitungen z.B. durch Naturschutzgebiete oder Siedlungen und die dadurch fälligen Ausgleichszahlungen an die Energieerzeuger, deren Strom nicht ins Netz aufgenommen werden kann, letztlich so teuer sind, dass sie die Mehrkosten einer Erdverkabelung wettmachen. Für diesen Vergleich wurden sogar die teureren Drehstromerdkabel zugrunde gelegt. Bei den vorgeschlagenen Erdkabeln fallen bei so schmalen Trassen  auch geringere Entschädigungskosten für Gemeinden an. Vollzugskosten für  Zwangsenteignungen wie bei Freileitungen entfallen. Ein Kostenvergleich wurde von der Infranetz AG am Beispiel der 200 km langen Westküstenleitung in Schleswig-Holstein durchgerechnet. Hierbei kommt die Infranetz AG zu dem Ergebnis, dass das Konzept eindeutig im Kostenrahmen der Freileitung liegt. Berücksichtigt man noch zusätzlich die Wertminderung von Immobilien im Umfeld der Freileitung, die bei Erdkabeln nicht gegeben ist, so ist für die Gesellschaft und für die Umwelt die Bilanz zweifelsfrei positiv.

9. Schlussfolgerung
Es sind keine stichhaltigen Gründe erkennbar, weshalb Übertragungsleitungen auf Höchstspannungsebene zwingend als Freileitungen zu bauen sind. Die technischen Voraussetzungen für die Verlegung von Gleichstrom- Erdkabeln sind heute erfüllt. Die Antworten auf die anfangs gestellten Fragen lauten

  • die Probleme einer Erdverkabelung sind mit diesem System lösbar
  • das System ist sicher
  • durch die geringeren Wartungskosten ergeben sich Gesamtkosten in etwa gleicher Höhe wie für Freileitungen.

Gleichstrom- Erdkabel haben im Vergleich zu Freileitungen folgende Vorteile:

  • kürzere Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren durch höhere Akzeptanz
  • keine Wertminderung von Immobilien in Leitungsnähe
  • keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen
  • erheblich geringere Flächenbeanspruchung
  • Umweltbelastung nur während der Bauzeit
  • keine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes
  • günstigere Arbeitsbedingungen für Installation, Wartung und Reparaturen
  • keine Schädigung durch Orkane oder Eisregen
  • höhere Lebensdauer – kein Korrosionsschutz der Masten und kein Leitungsaustausch nach 30-40 Jahren wie bei Freileitungen
  • Beitrag zur Stabilisierung des Drehstromnetzes
  • Beitrag zur besseren Auslastung des Drehstromnetzes (höhere Stromtragfähigkeit)

10. Ablehnungsgründe
Trotz intensiver Proteste gegen die geplanten Freileitungen weigern sich die vier Stromversorger (Vattenfall, EON, RWE und EnBW) bzw. die von ihnen ausgegliederten Netzbetreiber 50 Hertz Transmission,  TenneT, Amprion und Transnet BW vehement, auf die Forderung der Bürgerinitiativen nach Erdverkabelung einzugehen. Die Gründe hierfür sind vermutlich

 

  • eine fehlende Bereitschaft, die auf die 90er Jahre zurückgehenden Planungen aufzugeben oder zu überarbeiten
  • das hohe Beharrungsvermögen auf überkommenen Technologien, die man kennt
  • Unkenntnis und Unsicherheit bei der Bewertung des zusätzlichen Aspektes des Transports der Kabel zum Ort der Verlegung
  • die Angst vor Verzögerungen der Gesamtplanung des Ausbaus für das Übertragungsnetz durch neuartige Schwierigkeiten bei neuen Technologien. Verzögerungen könnten ja dazu führen, dass der Ausbau der dezentralen Energieversorgung in der Zwischenzeit so rasch fortschreitet, dass mehrere Leitungen des Übertragungsnetzes, die ja auch einem lukrativen Export von Stromüberschüssen dienen sollen, für die eigene Versorgung überflüssig werden. Zumindest die inländischen Investitionen würden dann eher in den Ausbau des Verteilnetzes fließen
  • das Abwehrverhalten gegenüber Konkurrenten im Netzausbau durch mittelständische Unternehmen.  Durch Wettbewerb wären die Netzbetreiber zur Offenlegung ihrer Kalkulation gezwungen
  • die Verbindung zu den am Netzausbau beteiligten Lieferanten der Stahl- und Betonindustrie. Für diese Industriezweige locken Großaufträge. So wurden von 50 Hertz Transmission allein für den Neubau einer nur 2,8 km langen Höchstspannungsleitung mit 8 Masten 280 Tonnen Stahl, 80 km Leiterseil und 1.700 m³ Beton verbaut.
    An der Durchsetzung des Freileitungsbaus ist daher ein ganzer industrieller Komplex interessiert. Bekannt ist, dass Lobbyisten auf Abgeordnete der Regierung und auch auf die Gesetzgebung Einfluss nehmen, um ihren Anteil am Geschäft zu sichern.

Ausblick


 „Was ist sicher, preiswert und fördert den Frieden?“

Eine Erdverlegung des Übertragungsnetzes auf Höchstspannungsebene ist möglich und bleibt mittel- und langfristig im Kostenrahmen der Freileitung. Es fehlt bisher der politische Wille, die Kenntnisse umzusetzen. In dem über Jahre von einem Oligopol geplanten und politisch abgesicherten System einer zentralistisch aufgebauten Stromversorgung sind für Veränderungen Mut und Ausdauer der Bürger gefragt. Trotz des NABEG (Netzausbau-Beschleunigungsgesetz) müssen die Behörden zu Beginn der Projektplanung, also bei jedem ROV (Raumordnungsverfahren = Grundlage für die Planfeststellung) auch Alternativen prüfen. Durch politischen Druck sollte die für die Genehmigung zuständige Behörde dazu gebracht werden, auch die „Erdverkabelung“  als Alternative zu fordern und zu prüfen. Bei dieser Alternativenprüfung gilt es für die Bürger, sich einzuschalten und den Rat von unabhängigen Fachleuten einzuholen. Wenn, wie in vielen Fällen, das ROV bereits abgeschlossen ist, muss bei der Auslegung der Pläne für die Planfeststellung Widerspruch eingereicht werden, möglichst mit beigefügten Fachgutachten. Zusätzlich muss die Bevölkerung mit eigenen Veranstaltungen mobilisiert werden. Die Veranstaltungen der Netzbetreiber werden zwar als „Dialog mit der Bevölkerung“ bezeichnet, sind aber gewöhnlich Werbekampagnen für die eigene Sache, verbunden mit dem Versuch, die Gegner als ignorante Störer zu verunglimpfen. Genauso wichtig ist es allerdings, die dezentrale Energieversorgung in der eigenen Region zu unterstützen, z.B. mit einer eigenen Solaranlage oder durch den Beitritt zu einer Energiegenossenschaft. Lassen Sie sich motivieren durch die Aussicht auf eine friedliche, umweltschonende, gesundheitlich unbedenkliche Stromversorgung für uns und unsere Kinder!
Siehe hierzu im Netz die Info der IPPNW (Internationale Ärzte gegen Atomkrieg):